PAOLO FAZIOLI

Fazioli wurde 1944 in Rom als Sohn einer Familie von Möbelherstellern geboren. Schon in sehr jungen Jahren zeigte er eine Begabung für Musik und ein großes Interesse am Klavier. Folglich begann er Klavierunterricht zu nehmen und während seiner Gymnasial- und Universitätszeit ein Klavierstudium. Zur gleichen Zeit entwickelte er ein lebhaftes Interesse an der Kunst des Klavierbaus, erweiterte sein Wissen durch den Besuch von Herstellungs- und Restaurierungswerkstätten und las die maßgebliche Literatur zu diesem Thema. 1969 schloss er sein Studium an der Universität La Sapienza mit einem Diplom in Maschinenbau ab und 1971 erhielt er am Conservatorio Statale di Musica „Gioachino Rossini“ in Pesaro unter der Leitung von Maestro Sergio Cafaro einen Abschluss in Klavierspiel. Gleichzeitig erwarb er seinen Master in Musikkomposition an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom, wo er beim Komponisten Boris Porena studierte. In der Zwischenzeit übernahmen seine älteren Brüder das Familienunternehmen, das mittlerweile Büromöbel herstellte, und exportierten unter der Marke MIM (Mobili Italiani Moderni) weltweit. Die Fabrik in Turin spezialisierte sich auf die Herstellung von Metallmöbeln, während die Fabrik in Sacile Holzmöbel aus seltenen und exotischen Hölzern wie TeakMahagoni und Palisander herstellte.

Fazioli stieg nach seinem Abschluss in das Unternehmen ein und verfeinerte zunächst seine Fähigkeiten im Management als Leiter der Produktionsplanung in Rom, später im Werk in Turin, während er gleichzeitig sein Fachwissen in der Holzverarbeitung erweiterte. Doch schon bald verließ er das Familienunternehmen, um seinen Traum zu verfolgen neue Klaviere zu entwerfen und zu bauen. Zuerst widmete er sich weitgehend der zeitgenössischen Flügelproduktion, analysierte deren Struktur und Spielweise, und beriet sich dabei mit Experten in dieser Branche. Seine Familie, und insbesondere sein ältester Bruder Virgilio, der ein Experte in Holztechnologie war, gaben ihm die nötige Unterstützung für Forschung, Entwicklung und Produktion. In dieser ersten Phase definierte Paolo Fazioli die Grundzüge des Plans, den er bauen wollte. Er war überzeugt, dass er durch eine Reihe von Konstruktionsänderungen, die auf den neuesten Forschungsergebnissen in den Bereichen Akustik und Materialentwicklung basieren, in der Lage sein würde, ein innovatives und außergewöhnliches Instrument zu bauen.

 

Gegen Ende der 1970er Jahre entschloss sich Fazioli mit seinem Fachwissen im traditionellen Klavierbau, gepaart mit seiner Forschung, Erfahrung und Kreativität, schließlich zur Gründung eines neuen Unternehmens. Die Klaviermanufaktur Fazioli wurde innerhalb der Möbelfabrik in Sacile, etwa 40 Meilen nördlich von Venedig, gegründet. Diese Standortwahl erfüllte eine Reihe von Organisations- und Produktionserfordernissen: Materialien waren in unmittelbarer Nähe, ebenso wie Forschungs- und Analyselabors, und vor allem spezialisierte Handwerker. 1979 begann er mit dem Entwurf seines ersten Prototyps für einen Stutzflügel. Das Unternehmen bestand anfangs aus Fazioli persönlich, Pietro Righini, einem Experten für musikalische Akustik, Guglielmo Giordano, einem herausragenden Holztechnologen, sowie seinem Bruder Virgilio und Lino Tiveron. Der Prototyp des Modells F183 (Länge: 183cm) wurde im Juni 1980 fertiggestellt, Ende des Jahres folgten die Prototypen von zwei weiteren Modellen, dem F156 (Länge: 156cm) und dem F278 (Länge: 278cm).

Im Januar 1981 wurde Fazioli offiziell gegründet. Die Prototypen der Modelle F183, F156 und F278 wurden der Presse und dem Fachpublikum vorgestellt. An der Pressekonferenz nahmen neben den Professoren Giordano und Righini auch der renommierte Musikwissenschaftler Piero Rattalino teil. Im Februar 1981 wurden die gleichen Instrumente auf der Musikmesse Frankfurt ausgestellt, wo die Anwesenheit eines italienischen Klavierbauers für Aufsehen sorgte. In der zweiten Hälfte desselben Jahres begannen die Arbeiten am Prototyp des Modells F228 (Länge: 228cm). In der Zwischenzeit nahm der Pianist Nikita Magalof eine Einladung zu einer Besichtigung der Fabrik in Sacile an und trat später erfolgreich mit einem F278-Konzertflügel auf.[1]

Photograph: timesindonesia.com

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